alle achtung
aller achtung anfang,
ist oft nicht leicht zu sehen.
wenn ängste und sorgen
und gedanken an morgen
und tausend gefallene tränen,
dir auf die nerven gehen.
aller achtung anfang,
ist oft nicht leicht zu sehen.
wenn ängste und sorgen
und gedanken an morgen
und tausend gefallene tränen,
dir auf die nerven gehen.
„Ich hätte gern den Gemüseauflauf, und bringst Du mir bitte noch ein alkoholfreies Bier“.
Die Kellnerin notierte die Bestellung mit einem stumpfen Bleistift auf einen dünnen Block.
„Wie kannst Du jetzt etwas essen?“, fragte Tim.
„ Wieso sollte ich es nicht können?“ antwortete ich.
„Du weißt doch was ich meine, ich könnte das sicherlich nicht“.
„Ich bin nicht Du“.
„Aber…“.
„Aber was???“
„Dein Vater ist tot, noch nicht einmal 24 Stunden!“
„Ich weiß“
„Und trotzdem schmeckt es Dir?“
„Vielleicht gerade deswegen!“
„Mach Dir doch nichts vor und spiel nicht den harten Kerl verdammt“, sagte Tim, stand auf und verließ den Tisch ohne den Stuhl ordentlich ran zustellen. Ich konnte noch nie verstehen, wieso man beim aufstehen den Stuhl zum einen nicht anhebt, damit er keine unangenehmen Quietschlaute von sich gibt und zum anderen diesen nicht wieder ordentlich an den Tisch heran stellt.
Tim zahlte an der Theke seine 2 Weizenbier, hell, dann ging er ohne noch einmal zu schauen aus dem Lokal.
Ich bekam den Auflauf, die Bedienung stellte ihn mir von links auf den Tisch, noch etwas, was mich störte, irgendwie. Ich schaute den Auflauf an, stocherte etwas in ihm herum wie ein Gerichtsmediziner im Fernsehkrimi, auf der Suche nach der Todesursache, diese war hier etwas einfacher zu klären. Ich hatte keinen Appetit, mehr, oder hatte ich ihn gar nicht? Aber ich hätte ihn so gern gehabt, aber was hätte ich nicht gern alles gehabt. Einen 911er, und sei es nur für einen Tag. Eine eigene Radiosendung um 23 Uhr oder später. Ein Talent oder zumindest einen flachen Bauch.
Ich zahlte, dank meines schlechten Gewissens des kaum angerührten Essens wegen, erhielt die junge Bedienung vermutlich das Trinkgeld ihres Lebens.
Ich ging zur Toilette, wie immer zu kalt und nach Klosteinen duftend. Ich pinkelte im Stehen, ich hasse es, aber irgendwie war mir danach.
Ich stand vorm Spiegel, die Hände mit billiger Lidl-Seife aus dem Spender und kaltem Wasser waschend und betrachtete mich im schwachen Licht der Deckenlampe, Sie lief auf halber Kraft, genau wie ich.
Ich war älter geworden seitdem ich ihn mal gemocht habe, rund 30 Jahre vielleicht. Ich habe Falten um die Augen, Augenringe und überhaupt bin ich kein großer Anhänger des Spiegelbildprogramms.
In einem Film würde ich mir jetzt das Gesicht mit dem kalten Wasser waschen, die Augen weit aufreissen und in den Spiegel schauen.
Aber das ist kein Film und hier konnte nicht einfach ein Abspann laufen, die beteiligten Namen würden von unten nach oben laufen und ein langsamer Song erklingt, der einem dieses ich-muss-jetzt-sitzen-bleiben-und-über-den-Film-nachdenken-Gefühl vermittelt.
Aber das ist kein Film und ich musste auch nach den üblichen 90-120 Minuten Spielzeit weitermachen und feststellen, dass es einfach kein Drehbuch für das Leben gibt und ich mir auch nicht die weibliche Hauptrolle aussuchen und frei besetzen kann.
Eine weibliche Stimme sagt den nächsten Halt an, Das Thermometer zeigt 22 Grad, Eine Taube zupft an einem alten Brötchen, Die Leuchtanzeige über uns erlischt, Ein grünes Auto hupt mich mehrmals an, Ein Kind lässt eine Kugel aus dem Hörnchen fallen, Eine alte Dame ruft laut „nein“,
als ich merke dass alles am Arsch ist.
als ich wortlos vor Dir stehe.
als ich die Faust in meiner Tasche balle.
als du von deinem neuen Freund erzählst.
als ich auf das rote Männchen zulaufe.
als ich die Treppe ins kühle Tief betrete.
als ich sie auf die Gleise stoße.
“Ich bin hier noch nie mit so einem Ausflugsboot gefahren“.
Er sprach sie einfach an, er musste es tun, sie saß allein auf einer Bank, wie sie überall an Amsterdams Grachten stehen.
„Oh ein Herr aus der Heimat, ich bin einmal vor 2 Jahren damit gefahren“. „Ich war neu in der Stadt und dachte ich sollte das tun, aber es war schrecklich, überall nur Kameras und Oohs und Aahs und entweder begeisterte oder sich streitende Touristen`und gelangweilte Kinder die in ihren kleinen Nasen bohren und jammern“.
Er hatte sie schon ein paar Minuten beobachtet, wie sie etwas in ein kleines schwarzes Notizbuch schrieb, wie eine selbstgedrehte Zigarette rauchte und dabei aussah wie eine dieser schönen Darstellerin aus einem Godard-Film.
„Gut, ich hatte eh keine sonderliche Lust auf eine Fahrt, ich betrachte die Dinge gern auf Augenhöhe, oder am liebsten von oben, ich bin wie eine Katze und such mir gern einen hohen Aussichtspunkt auf die Dinge“.
„Magst Du Katzen?, hier laufen eine Menge davon herum“.
Als er sie vorhin sah, öffnete sie kurz ihre Haare, schüttelte ihren Kopf und wie in einer Werbung für Haarspray schien das alles wie in Zweitlupe abzulaufen. Kennt ihr die Szene als Margot Tenenbaum aus dem green-line-bus aussteigt? Die ganze Szene in Zeitlupe, ihr Bruder Richie wartet auf Sie und man hört nur Nico´s „these days“, ein perfekter Filmmoment!
„Ja ich mag sie, aber sie mögen mich nicht, bzw wollte jemand nicht, dass wir uns zusammentun, man schenkte mir Atemnot und rote Augen als Dank für anschmiegsame tierische Liebesbekundungen“.
„Ich hatte mal eine Katze, ich hab sie Kinski genannt, leider hat sie sich auch so verhalten, nur als Arschloch hat sie mich nicht beschimpft, aber ich bin mir sicher, sie hätte es getan, wenn sie dazu in der Lage gewesen wäre“!
Sie lachten beide, sie hatte dabei wunderschöne Grübchen und ihre Augen schlossen sich ganz und es kamen noch schönere Lachfalten zum Vorschein. Es dauerte 5 Sekunden bis er sich verliebte.
„ Es muss am Namen gelegen haben, somit warst Du wohl selbst schuld“.
„Ja, eindeutig mein Fehler“.
„Störe ich Dich grad?“
„Ja, Du hältst mich davon ab dass ich mich vom arbeiten abhalte“.
„Damit kann ich leben“.
„Ich auch“.
Sie drehte sich eine Zigarette, aber so unroutiniert, dass man denken musste sie würde entweder noch nicht lange rauchen, oder dass sie sehr nervös sei.
„Warum hast Du mich angesprochen?“, fragte sie hinaufschauend, denn er stand noch, während sie mit verschränkten Beinen noch immer auf ihrer Bank saß.
Es klang nicht empört, eher interessiert, mit einem verschmitzten Lächeln, welches mehr Selbstsicherheit ausstrahlte, als es das holprige Zigaretten-basteln vermuten ließ.
„Ich weiss es nicht“.
„Du weißt es nicht?“
„Ich musste“.
„Du musstest?“
„Ja“.
„Hat Gott es Dir aufgetragen?“
„Wer ist das?“
Beide lachten.
„War es eine Wette mit deinen Jungs, die wahrscheinlich grad da hinten hinter der Mauer lauern und sich fragen, ob Du meine Nummer bekommst?“
„Ja, gibst Du sie mir, für mich wären zwei Kartons guter Wein drin, ich würde Dir einen abgeben!“
Sie lachte laut und brachte dabei einen Ton heraus, der ihr direkt etwas peinlich war, sie hielt sich die Hand vor den Mund.
„ Dafür musst Du dich nicht schämen, ich bin auf dem Land groß geworden, mein Onkel hatte einen Bauernhof“.
„Hör auf!“ lachte sie.
„Nein, keine Jungs, ich bin allein hier, ich musste einfach“.
„Hm, ok…..was machst Du hier in Amsterdam?“
„Das möchtest Du nicht wirklich wissen, bzw möchte ich es nicht wirklich sagen“.
„Du geheimnisvoller Unbekannter“.
„Lass uns herumlaufen, den ganzen Tag, den ganzen Abend, ja?“
„Ja.“
„Ja? Wirklich?“
„Ja, frag mich nicht warum, normalerweise weiss ich gern mehr von meinem Gegenüber, aber ja!“
„Warum dann trotzdem?“
„Das möchtest Du nicht wirklich wissen, bzw. möchte ich es nicht wirklich sagen“.
Sie warf ihm einen Blick des Triumphes zu und spielte theatralisch, als hätte ihn ein Kinnhaken hart getroffen.
Sie gingen durch die schönen Gassen, blieben manchmal stehen oder setzten sich, schauten den Booten und den Touristen zu, suchten sich fremde Menschen die sie interessant fanden aus und verfolgten sie mehr oder weniger unäuffällig eine ganze Weile, setzen sich in Cafes, aßen und tranken, redeten und lachten.
Irgendwann war es stockdunkel, sie saßen auf der Mauer einer kleinen Brücke, er schaute zum ersten mal an diesem Abend auf seine Uhr, es war 1:28 Uhr.
„Ist es zu spät?“ fragte Sie.
„Nein, der gestrige Tag ist vorbei, ein neuer hat begonnen“.
„Ist das schlimm?“
„Nein, es ist gut“.
„Ist es sehr gut?“
„Ja, es ist sehr sehr gut.“
Er drehte sich zu ihr, schaute sie an, nahm ihr Hand.
„Danke!“
„Wofür?“
„Das möchtest Du nicht wirklich wissen, bzw möchte ich es nicht wirklich sagen“.
„Das ist ok so“.
„Danke“.
Am liebsten sitzt er am kleinen Tisch direkt neben der Theke. Hinter ihm nur die Wand, links die Theke, rechts ein leerer Tisch und darüber eine Box, aus der gerade Julia Hummer erklingt.
Von hier aus kann er alles überblicken, alles ganz genau beobachten.
Er kann sehen wer ins Cafe kommt, wer draußen Platz nimmt, wer wie oft und wie lange zur Toilette geht.
Er geht auch selbst gern hier zur Toilette, das Licht schaltet sich automatisch durch einen Bewegungsmelder an, das findet er mindestens so faszinierend wie die Tatsache, dass riesige Jumbo-Jets in der Luft bleiben und nicht herunter fallen oder dass seine Mutter es immer noch mit ihrem Mann, seinem Vater aushält.
Er sieht sein schutzblechloses Klapprad namens Bobby und die Kinder die durch den Park laufen.
Er sieht lachende Kinder jeder Herkunft und einheimische vom Heroin zerfressene Menschen deren Alter man gar nicht mehr schätzen kann.
An der Wand hängt eine grüne Tafel, auf der mit weißer Kreide die Tagesgerichte angepriesen werden.
Er muss etwas probieren was er nicht kennt, heute ist es das Wort Lupinen, welches ihn neugierig macht.
Er bestellt immer von der Tafel, niemals aus der Karte. Bei den Tafelgerichten hat er das Gefühl, dass es sie nur noch heute, an diesem einen Tag gibt. Er darf sich das nicht entgehen lassen. Diese Angst etwas zu verpassen begleitet ihn sein ganzes Leben.
Er kann nicht früh schlafen gehen und ausschlafen funktioniert auch nicht, immer gibt es tausend Dinge und Momente, die einem entgehen könnten, im Endeffekt verbringt er sie auf dem Sofa oder macht woanders nichts.
Zwei Hund beschnuppern sich vorm Eingang, einer sieht aus, als hätte man ihn gehäkelt, Oma hätte das bestimmt gut hinbekommen, zwei braune Knöpfe als Augen hätte sie auch in ihrem Nähkästchen gehabt. Das Nähkästchen steht jetzt in seinem Schlafzimmer und wird gute zwei bis dreimal im Jahr geöffnet, wenn mal wieder irgendwo ein Knopf abgefallen ist. Aber dann denkt er an sie. An ihrem Grab war er seit der Beerdigung nicht ein mal.
Der Kuchen, der in einer gläsernen, gekühlten Vitrine auf der Theke thront, lächelt ihn an, aber er verzichtet, lächelt wiederum die Besitzerin an und zahlt.
Wie immer gibt er zuviel Trinkgeld. Er weiß nicht wieviel angemessen ist, er denkt immer nur es sei zu wenig oder zuviel, aber er hatte noch nie das Gefühl, dass es mal genau passend wäre.
Er verabschiedet sich mit einer Umarmung und einiger Unsicherheit und öffnet die Tür. Manchmal denkt er, er sucht nur deswegen Lokale auf, um hinterher diesen ersten Moment der Frischluft zu erleben.
Er setzt seine riesigen schwarzen Kopfhörer auf, drückt auf „play“ und fährt im alte-Leute-Tempo durch den Norden der Stadt.
when life is a loop
you´re in a room
without a door
Jakob liebt den Baum vor seinem Haus.
Ein großer kräftiger Baum, bestimmt um einiges älter als das Haus in dem er wohnt.
Er stellt sich oft vor wie er in diesem Baum wohnt, nicht in einem Baumhaus, sondern im Baum selbst.
Natürlich müsste er etwas schrumpfen, um ein komfortables Leben im Inneren der alten Buche führen zu können.
Als Kind liebte er diese Fernsehserie, in der ein kleines Handpuppenäffchen in solch einem Baum lebte, im Baumstamm befand sich ein Aufzug, er mochte diese Vorstellung so sehr, das tut er noch immer, aber er spricht nicht mehr darüber.
Wenn er es schafft parkt er seinen Peugeot direkt unter dem Baum, die Blüten im Sommer und die herunterfallenden Äste im Herbst stören ihn nicht.
Er stellt sich dann immer vor, dass der Baum sein Gefährt vor Unheil bewahrt, seine schützenden Äste wie Arme über den Wagen legt.
Jakob liebt den Baum vor seinem Haus.
Am Wochenende steht Jakob um genau 7:47 Uhr auf. Vor einigen Jahren ist er morgens aufgewacht, es war Sonntag und der Himmel war ganz rot verschleiert, die Straße ruhig und seine Decke hatte er bis zum Kinn hochgezogen, es war 7:47 Uhr.
Er empfand diesen Moment als so perfekt, dass er nun jeden freien Tag um 7:47 Uhr erwachen wollte.
Kein Tag war um diese Uhrzeit mehr so vollkommen wie damals am 17. September 1994, aber die Hoffnung darauf ließ ihn abends immer wieder den Wecker stellen.
Wenn Jakob traurig ist geht er in sein Wohnzimmer. Er geht zum Plattenregal, überlegt kurz, nimmt sich eine Schallplatte heraus, legt sie auf den Plattenteller.
Er drückt auf Start und schaut ein wenig zu, wie das schwarze Vinyl und das Etikett sich im Uhrzeigersinn drehen.
Dann nimmt er die Nadel und legt sie auf die ersten Rillen, dieser Moment ist für ihn so großartig wie für ängstliche Passagiere das Aufsetzen des Fahrwerks auf der Landebahn.
Er steht er auf, schließt die Augen und bewegt sich tanzend über den hellen Holzdielenboden.
Jakob liebt es mit seinem Hund zum Hafen zu gehen. Sie schauen sich die langen Kähne an, meistens kommen sie aus Holland und er spricht die Namen, die vorne und hinten auf dem Schiff stehen, laut aus. Sein Hund heißt Max und wenn ein anderer Hund auf einem Kahn zu sehen ist, bellen sie sich ein paar Sekunden an.
Wenn kein Schiff zu sehen ist, schmeißt Jakob einen Stock ins Wasser und Max springt hinterher und bringt ihn zurück.
Dann legt er den Stock vor Jakobs Füße, geht einige Meter weiter und schüttelt sich, dabei wackelt sein Hintern immer noch etwas länger als der Rest des Körpers, dieser Anblick bringt Jakob immer wieder zum Lachen.
Wenn Max spät Abends noch einmal raus muss, gehen sie einfach vors Haus, Max geht zum Baum und hebt sein Bein. Jakob hält einige Meter Anstandsabstand, schließt die Augen, legt den Kopf in den Nacken und lauscht den Blättern, die im Wind ein wahnsinnig tolles Rauschen von sich geben.
Jakob liebt den Baum vor seinem Haus.
Max auch.
„An einer Beziehung muss man arbeiten“ sagt ihre nach bemühter Vermittlung wichtiger Gedanken klingende wunderbare Stimme.
Seit fast drei Stunden sitzen sie nun dort.
Seine Ellbogen stützen sich am alten Küchentisch ab und seine Hände halten seinen Kopf fest wie eine Bowlingkugel, kurz vor dem Versuch in wenigen Sekunden zehn widerspenstige Kegel aus dem Weg zu räumen, nur dass er nicht versucht drei Finger in Auge, Mund und Ohr zu verankern.
„Nein, eine Beziehung ist doch keine scheiß Baustelle und ich kein scheiß Bauarbeiter, trage ich einen Blaumann oder einen Helm auf dem Beziehung oder Liebe steht?“, als er dies ausspricht nimmt er seine Hände vom Kopf, beim Wort Blaumann klopft er auf seiner Brust, bei Helm mit der rechten Hand auf seinen Kopf und bei jedem „scheiß“ mit der Faust auf den Tisch. Der Schlag auf den Tisch fällt aber nicht so heftig aus, dass man ihn für brutal oder gefährlich halten müsste, seinen weichen Gesichtszügen würde man ohnehin keinen gewalttätigen Charakter abnehmen.
Draußen wird es immer dunkler und sie sitzen in der unbeleuchteten Küche, man hört noch Kinder im Hof spielen und man riecht grillendes Fleisch.
Sie schüttelt ihren zierlichen Kopf, ihre Pagenfrisur wackelt entgegengesetzt hin und her wie Vorhänge im fahrenden Wohnwagen, „aber es kann doch nicht immer alles gut sein, das kannst Du doch nicht wirklich erwarten“.
„Nein, aber die positiven Momente sollten die negativen überragen“, er schaute auf die Tischplatte, im gedämpften Licht sieht der alte Tisch von Opa fast wie neu aus, das gefiel ihm sehr. Bei wichtigen Gesprächen schweifen seine Gedanken immer wieder ab, er hat nach einiger Zeit immer die wildesten Gedanken, fast wie Fieberträume. Er ist nur bedingt aufnahmefähig was intensive Problemdiskussionen angeht, eigentlich lässt sein Interesse bei vielen Dingen ziemlich schnell nach.
Er hasst auch Vorbands auf Konzerten, zum einen sind sie größtenteils einfach völlig überflüssig weil schlecht, oder er möchte einfach die Band sehen weswegen er die Location aufgesucht hat, was vorher kommt langweilt ihn zu schnell. Zwei Songs würde er dem Support noch zugestehen, aber welche Band baut schon alles auf nur um nach zwei Songs die Bühne wieder zu räumen, das sieht er ein, dann also lieber gar keine.
„Man kann doch nicht immer alles was schief ist wieder gerade quatschen, eine Beziehung kann doch auch mal ohne große Verbalrangelei von statten gehen“, Verbalrangelei, das Wort hat er grad zum ersten mal in seinem 35jährigen Leben benutzt und er mochte es, er würde es grad gern aufschreiben um es nicht zu vergessen, aber dafür hat sie wohl nur wenig Verständnis.
„Aber so funktioniert es nicht, man hat manchmal verschiedene Ansichten und muss sich in vielen Situationen auch mal dem Partner anpassen“, sie schüttelte wieder Kopf und Haar, „Du weigerst dich komplett irgendwelche Kompromisse einzugehen, in welcher Traumwelt lebst Du eigentlich?“
Eigentlich liebt er es wenn Sie ihren Kopf schüttelt, beim Tanzen macht sie es wie früher Paul McCartney bei den frühen Beatles, so hat er sich in sie verliebt.
„Ja, vielleicht träume ich ja, aber lieber träume ich von einer perfekten Beziehung, der perfekten Liebe, als mich mit einem schlechten Versuch davon abzugeben und darin älter und älter zu werden bis ich mich nicht mehr erkenne!“
„Unsere Beziehung die in drei Tagen 4 Jahre andauert ist also in deinen Augen ein schlechter Versuch? Na vielen Dank dass Du mir so früh bescheid sagst und nicht meine letzten fruchtbaren Jahre raubst du Arschloch!“, einige Tränen flossen ihre rechte Wange herunter, aus irgendeinem Grund hatte sie am linken Auge ein generelles Problem mit der Tränenproduktion, das hat ihm schon bei so manchem Streit ein schmunzeln abgerungen, unpassend, das war ihm schon bewusst, aber doch komödiantisch.
„ Nein, natürlich nicht“, jetzt steckte er gefühlt knietief im selbstgeschaufelten Grab, „es gibt einige schöne Phasen und Momente und man hofft immer, dass alles gut wird, aber darüber verliert man vielleicht oft den Blick auf das was wirklich zählt“. „Ich zumindest suche keine Auseinandersetzungen, keine kleinen Kämpfe um Meter auf dem Schlachtfeld Beziehung, keine Vorhaltungen, keine Fehlersuche beim Partner, keine wiesomachstdudas-Fragen, ich möchte das alles auch nicht neben den auch schönen vorhandenen Seiten der Beziehung haben“. Er holt tief Luft um weiterzumachen, die Momente in denen er soviel am Stück erzählt kommen selten vor. „Ich möchte mit einem guten Gefühl einschlafen und mit einem ebensolchen aufwachen, ich möchte mir keine Gedanken machen was ich heut schon wieder falsch machen könnte, ich möchte die Person die ich liebe anschauen können und an nichts negatives denken müssen“. „Ich möchte Liebe spüren wenn sie mich anschaut und mir soll gefälligst scheiße warm werden, wenn mir etwas ins Ohr flüstert, ich möchte sie bedingungslos lieben und geliebt werden.“
Er schaute sie an, wie reagiert sie?
„Erzähl bitte weiter, endlich redest du mal“, aber dabei musste sie weinen.
„Ja ich bin möglicherweise ein Träumer, aber verdammt, vielleicht wird ich so immer nur wieder endende Beziehungen führen, vielleicht werde ich allein alt, aber ich werde und will nicht einsehen, warum ich auf weniger hoffen sollte, warum ich mich mit weniger zufrieden geben sollte“.
„Du bist einfach nicht fähig eine Beziehung zu führen, Du bist doch im Kopf nur mit dir selbst beschäftigt, öffne Dich doch mal und lass mich an dich heran.“
„Ja, ich bin mit mir beschäftigt, ja ich mach zuviel mit mir selbst aus, aber ich gebe Liebe, ich gebe fast alles was ich habe, aber ich lasse all meine Kraft die ich für mich bräuchte hier in dieser Achterbahn“.
Die Küchenuhr tickt, er hat das Gefühl, dass sie mit jeder Sekunde und jeder weiteren Bewegung lauter wird, die Kinder sind nicht mehr zu hören, mit dem Grillgeruch strömen Gitarrenklänge durch die offene Balkontür in die Wohnung. Er stellt sich lachende und glückliche Endzwanziger vor, die um ein offenes Feuer sitzen, keiner Übergewichtig, jeder lässig gekleidet, der Mann mit den Dreadlocks spielt auf der Gitarre, vielleicht schaut er einfach zuviel Werbung.
Er holt sich eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank, gießt sein Glas voll und setzt sich wieder an den Tisch. Er öffnet seine Hand und hält sie flach direkt über das Glas, schon als Kind liebte er das prickelnde Gefühl wenn das sprudelnde Wasser und die Kohlensäurebläschen mit einem Knistern zu seiner Hand aufstieg.
„Ich muss gehen“, stammelt sie heraus.
„Es tut mir leid“, ist alles was er darauf entgegnen kann.
„Ich liebe Dich so“.
„Ich Dich auch.”
„Ich hätte Dich gern gerettet“.
„Das muss ich selbst tun“.
„Vielleicht ist es so“.
„Ja, ich glaube schon“.
„Ich muss jetzt gehen“.
…………………………………………………………
the decision is mine
I´m the end of the family line
Die Pornohefte hatte er schon allesamt entsorgt, Filme hatte er schon lange nicht mehr, dank Internet fand hier schon vor vielen Jahren eine Wachablösung statt. Niemand sollte hier so etwas finden. Seine Wohnung befand sich in einem dermaßen aufgeräumten Zustand, dass er sie kaum wiedererkannte. Seine einzige Pflanze hatte er am morgen entsorgt, sie war ein Geburtstagsgeschenk vor 1 ½ Jahren, er goss sie sehr unregelmäßig, wobei das nicht ganz stimmte, regelmäßig wenn sie die Blätter wie tot hängen ließ füllte er sein größtes Glas mit Leitungswasser und belebte das grüne Etwas. Er war immer wieder aufs Neue überrascht, wie schnell sie wieder alles was sie hatte gen Norden streckte. Er wäre gern so einfach gestrickt wie diese Pflanze deren Namen er nicht kannte. Das große Plattenregal war leer, es wirkte wie grad aufgebaut, bereit mit Büchern, Platten, CDs, oder was auch immer, befüllt zu werden. Er hat jede einzelne Scheibe verkauft, viele einzeln bei Ebay und den Rest als Gesamtpaket für einen Preis der ihm viel zu gering schien, aber er schaffte es, auf einen Summe zu kommen, die all seine Schulden beglich. Er hatte sich mal geschworen, niemals einen Tonträger zu verkaufen, nur in Ausnahmefällen brach er diese Regel. Manche hatte er doppelt, da konnte er sich gut von einer trennen ohne sich schlecht zu fühlen. Und als er Kraftwerks Radioaktivität als Originalvinyl inklusive limitierter Aufkleber mit dem Radioaktivitätslogo auf dem Trödelmarkt für 4,50 € erstand um sie dann eine Woche später für rund 150 € in die Schweiz versteigerte, auch da hatte er keine Gewissensbisse. Er verstand nie wie Freunde ihre komplette Sammlung auflösten, weil sie ja jetzt alles schön digitalisiert auf ihrer Festplatte oder Ipod zur Verfügung hatten. Er sah das als Verrat am Medium an, er liebte es ins Wohnzimmer zu gehen, oder auf dem Sofa zu sitzen und zum Regel zu schauen, er hatte eine recht ordentliche Sammlung von ca. 2000 Schallplatten und CDs. Aber jetzt waren sie weg und er brauchte sie nicht mehr. Nur eine hatte er behalten. Er saß an seinem Küchentisch, vor ihm ein großer Berg geschriebener Briefe. Meist waren die Worte versöhnlich, positiv, er hatte es sich in seinem Leben mit einigen Personen verscherzt und wollte abschließend damit aufräumen. Es erschreckte ihn wie oft er seine Schuld eingestehen musste und konnte, es gab wohl nun keinen Grund mehr sich selbst etwas vorzumachen, so eine Art seelischer Kassensturz. Seinen Freunden beschrieb er die schönsten Momente und was sie für wundervolle Menschen waren und wie sehr er sie alle liebte. Und dass es ihm leid tat. Sehr. Er wollte nicht daran denken, was ihm alles fehlen würde, nicht schon wieder wollte er kneifen. In seinem Leben hat er immer wenn es drauf ankam den Schwanz eingezogen, dieses mal würde es anderes sein. Ganz sicher. Seine Mutter starb Anfang des Jahres, ganz plötzlich, was gut für sie war, aber der schlimmste vorstellbare Schmerz für ihn. Ihr Dasein hielt ihn am Ufer, das Leben als Meer. Er hätte sich niemals vorstellen können ihr das zu Lebzeiten anzutun. Er stand auf und ging ins Bad, nahm den Eimer, füllte ihn mit heißem Wasser, gab die Billigvariante eines Bodenreinigers hinein, nahm den Wischmob und putzte das Treppenhaus. Er war so ungewohnt organisiert in diesen Tagen, Strom, Internet, Telefon und Fernsehen hat er schon gekündigt, er hatte alle seine Sachen sortiert und in Kartons gepackt, jeder war mit einem Namen gekennzeichnet, er machte gern Geschenke und das hatte auch etwas davon. Bereit für die große Reise, alles bleibt zurück. Dinge die er nicht mehr brauchte und auch nicht verschenken wollte gab er beim Caritas-Trödelladen in der Nachbarstraße ab, sie waren sehr erstaunt und hocherfreut. Ein Stockwerk tiefer stellte er zwei frisch gespülte Teller vor die Tür seiner netten Nachbarin, manchmal legte sie ihm Muffins oder ein Stück Kuchen vor die Tür und schrieb ihm dann eine SMS, dass er doch mal nachschauen solle. Er war für eine Woche verliebt in Sie, gestand sich dann aber ein, dass es das Gefühl ist, welches er begehrte und nicht die Person. Er schlich mit schwachen Beinen ins Wohnzimmer, sein Blick war getrübt. Er griff sich die letzte verbliebene Schallplatte, -the world won´t listen- stand drauf, Seite B, erstes Lied, er legte die Nadel auf. So hatte er sich das immer vorgestellt, seitdem er es zum ersten mal hörte. Er legt sich auf den Boden, hörte nur noch dumpf die gesungenen Worte. …………….don´t feel bad for me, i want you to know………
Er wohnte schon zwei Jahre hier, nun putzte er zum dritten mal.
Diese Reaktion ließ ihn genau sechs Minuten und dreiundzwanzig Sekunden gut fühlen.
Er ging durch die Wohnung und schaute sich noch einmal um.
Im Bad schaute er sich einige Minuten im Spiegel an, er drehte den Hahn für kaltes Wasser an und hielt seinen Kopf darunter. Dann trocknete er sich die Haare nur leicht ab, nahm eine Bürste und kämmte sich die Haare zurück, er fühlte sich kurz wie Elvis dachte er.
Wir sind kein bisschen müde, aber dein Haar sieht seltsam aus. Es ist gleich halb Sechs und es wird schon hell, ich höre die Wellen und die Luft hier im Wagen riecht nach Dir und Leder. Es ist so ein magischer und erster wirkliche Augenblick des Tages. Ich trommel leise auf dem Lenkrad zum Takt von a miracle von den hidden cameras, im Gegensatz zu smells like happiness, bei dem ich immer in die Hände klatschen muss. Die Hände sind das beste Instrument überhaupt, ich liebe den Klang meiner Hände, ich denke ich bin ein überdurchschnittlich guter Handklatscher. Wir sind die ganze Nacht gefahren für diesen Moment, eigentlich bin ich gefahren und du bist nach 5 Minuten auf dem Beifahrersitz eingeschlafen. Ich habe meine schwarze Lederjacke über dich gelegt und fühlte mich unendlich gut dabei. Die Jacke konnte fast deinen ganzen Körper bedecken, stand dir gut, dein Anblick war Gold und mein Atem leicht. Selten fühlte ich mich so richtig, ich hatte eine Funktion, eine Aufgabe. Mir fehlen Aufgaben und Funktionen, aber in diesem Moment habe ich dich gefahren, begleitet, über dich gewacht, ich musste dich immer wieder anschauen um sicherzugehen, dass es dir an nichts fehlt und du zufrieden schautest während dort im Sitz versunken warst. Es fühlte sich an, als sei ich nur zu diesem Zweck auf die Welt gekommen, als hätte ich über 30 Jahre in einem grauen Nichts verbracht, nur um hier aus meinem Koma zu erwachen. Unsere Herzen klopfen wie wild und deine Frisur ist ruiniert. Du klappst die Sonnenblende herunter, den Spiegel auf, eine Lampe erleuchtet und du betrachtest deine tiefen Augenränder und die wild herumstehenden Haare und musst lachen. Deine Lippen sind wund und wie deine Augen rot, deine Schuhe nur unzureichend geschnürt und deine Stimme kratzt und doch wirkt dieses Konglomerat an Unzulänglichkeiten wie ein perfektes Ganzes. Du schaust Dich um, musst wieder lachen, ziehst deinen schwarzen Kapuzenpullover mit dem aufgenähten Flugzeug aus, dein Shirt auch und all die hundert Sachen, die du noch darunter trägst du verdammte Zwiebel, du schaust dich noch mal um, kicherst und öffnest die Tür. Dann schaust du mich an mit strahlenden Augen, atmest voller Euphorie. „Komm mit!“ Niemand ist hier und ich schau dir hinterher, ich liebe deinen Hintern, ich liebe ihn. Ich lebe.
Du steigst aus, vollkommen nackt, rennst die 20 Meter über den Strand zum Meer.
Ich renn dir entgegen, wir laufen lachend und schreiend mit ausgebreiteten Armen ins eiskalte Meer.
es war dienstag und es regnete.
krajewski hasste dieses wetter, er spürte sämtliche knochen und seine gelenke schmerzten schon, wenn er beim aufwachen die regentropfen an der scheibe sehen konnte. als kind sah er gern wie die tropfen mal langsam, mal schneller die scheibe hinunterrannten und sich dabei kleine rennen lieferten.
heute konnte er sie aus dem bett nur erkennen, wenn er seine aus der mode gekommene hornbrille aufsetzte. ihr gewicht hat im laufe der jahrzehnte eine gewaltige kerbe in seine nase geschnitzt.
es war 8:34 uhr, so lang hatte er schon einige wochen nicht mehr geschlafen.
in der nacht ist er mehrmals aufgewacht, er war ein getriebener, versuchte durch ständiges hin-und-herwälzen dem wachzustand zu entkommen, aber er musste ständig an sie denken.
heute vor genau zwei jahren ist sie gestorben. siebenhundertdreizig tage musste er ohne sie jeden einzelnen aufs neue überleben.
er brauchte 5 minuten bis er sich aufrecht hingesetzt hatte. jeden morgen bleibt er so noch einige minuten sitzen, schaut raus, atmet schwer und fischt mit seinen angeschwollenen füßen nach den ausgefransten pantoffeln.
manchmal entweicht seinem atmen ein tiefer seufzer, er mag den klang dieses seufzens irgendwie, auch wenn es ausdruck einer tiefschwarzen leere ist.
sie lag damals seit 3 wochen im hospiz. nach und nach verschwand sie in diesen wochen aus seinem leben. der krebs, die schmerzen und ein körper voller morphium ließen ihre erinnerungen und ihre liebe immer mehr verschwinden.
und doch fühlte krajewski sich in der sekunde in der ihr atem aus und ihr herz stehenblieb, als würde jemand eine plastiktüte über seinen kopf ziehen und ihm alle luft nehmen, er musste sich zwingen weiterzuatmen, ohne diesen überlebenstrieb hätte er wohl einfach, gemeinsam mit ihr, seine lungenfunktionen eingestellt.
er schaut auf ihre bettseite, sie wollte lieber an der wand und nicht am fenster schlafen, dort fühlte sie sich sicherer, ihre seite ist nicht bezogen, aber ihre lesebrille liegt noch immer auf dem nachttisch.
er schaut auf das rätselheft welches auf ihrer seite liegt, jeden morgen beantwortet er eine frage. er mag keine rätsel, aber sie liebte sie. er legt, nachdem er die frage nach einer ballsportart mit tennis beantwortet hat, das heft wieder auf ihre bettseite, es war ja ihr heft.
er zieht sich nur noch funktional an, sie achtete immer darauf, dass er gut gekleidet, alles sauber und ordentlich gebügelt war.
sein kühlschrank ist so gut wie leer und auf seinem frühstückstisch steht nur sein kaffeebecher, brot und butter. wie fast jeden morgen lassen seine zittrigen finger etwas kaffee auf sein hemd tropfen, es stört ihn schon gar nicht mehr.
die hoffnung, dass die stimme am anderen ende des tisches ihn darauf hinweist und mit einem lustigen satz verziert, hat er längst aufgegeben.
den ganzen tag verbringt er mit fernsehschauen, er versucht nicht an sie zu denken. oft hört er ihre stimme im gedanken, er schaltet dann den fernseher ganz laut.
er schaute sich fast alles an, hauptsache es konnte ihn betäuben.
um 19:22 uhr verliess er an diesem tag zum ersten mal das haus, er ärgerte sich das frau brandt aus dem 1. stock so früh schon die tür verschlossen hatte.
er ging zum kiosk gegenüber und kaufte sich drei flaschen bier. beim überqueren der strasse musste er immer aufpassen, vor zwei tagen wäre er beinahe überfahren worden, er war nicht mehr so schnell zu fuß und der weg zur ampel war ihm zu weit.
heute war es ruhiger, man konnte sogar seine grünen gummistiefel auf dem nassen asphalt hören.
er schloss die haustür auf putze sich die schuhe ab und liess die tür nur ins schloss fallen. seine frau mochte es nicht, wenn die haustür verschlossen war, sie war dann immer etwas unruhig und stellte sich vor, was passieren würde wenn es brennt.
nach einer ewigkeit war er oben angekommen und stellte die stiefel auf die fussmatte.
er ging in die küche öffnete sich eine flasche und nahm sich brot und speck und ein scharfes messer. er kochte nicht mehr. er war sich den aufwand nicht wert.
er ließ brot und speck auf dem küchentisch liegen und ging ins bad, er betrachtete sich lange im spiegel und kam sich so fremd vor.
seine zähne legte er ins glas und ging wieder zum fernseher, sein letzter verbündeter, herr telefunken.
er vermisste sie. er vermisste sie sehr. er wusste nie wie ein leben ohne sie funktionieren sollte und wünschte sich vor ihr zu sterben. er wusste es noch immer nicht.
er öffnete die zweite flasche und schaltete eine krimiserie ein, er liebte krimis schon als kind.
er vermisste wie sie mit ihm krimis schaute und bei mordszenen immer ihre hände vor die augen hielt.
er vermisste wie sie ihm sagte er solle nicht mehr so lange schauen, wenn sie schon vor ihm ins bett ging.
er vermisste wie sie ihm die kräftigen hände massierte.
er vermisste wie sie sich leise singend die haare machte.
er vermisste sie.
er schlief ein, die fernbedienung in seiner rechten hand.